ach dem Abitur studiert er das Fach Architektur an der Königlichen Technischen Hochschule zu Hannover (Oktober 1875 bis Dezember 1879). Der junge Student hörte hier mit Begeisterung die Vorlesungen des Altmeisters der Baukunst im Land Hannover, Conrad Wilhelm Hase ( *2.10.1818 Einbeck; + 28.3.1902 Hannover). Hase war nicht nur ein väterlicher Mentor, sondern ein langjähriger Freund der Familie.
In Wendebourgs Geburtsort entstand seit Anfang des 19. Jahrhunderts neben dem alten Dorf Lewe das zweite Dorf Liebenburg zu Füßen des Schlossberges. Nicht zuletzt durch die 1882 gegründete „Klinik Dr. Fontheim“ wuchsen beide Orte immer mehr zusammen. Für die stetig steigende Zahl der Gläubigen wurde die alte Kirche zu klein, so dass Pastor Hermann Wendebourg sie fast vollständig abtragen und durch einen Neubau ersetzen ließ. Als Architekt hatte er den Baurat Hase gewinnen können. Am 8. November 1863 vollzog Pastor Wendeborug die Weihe der neuen, aus Backsteinen im neugotischen Stil erbauten St. Trinitatis-Kirche. Auch nach Bauabschluss hat es den Architekten Hase immer wieder nach Lewe-Liebenburg gezogen. Seine zweite Frau ist in jener Gemeinde sogar geboren.
Hase hat in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland maßgeblich eine ganze Generation von Architekten stilistisch geprägt. Eine führende Rolle unter der begeisterten Schülerschaft nahm dabei ohne Zweifel der Ehmer Kirchenbaumeister Eduard Wendebourg ein. Der Student war damals, wie viele seiner Zeitgenossen, von dem „Virus“ der so genannten Neostile, die man auch unter dem Begriff „Historismus“ fassen kann, ergriffen worden. In jener Epoche (ca. 1830 bis 1910) erwachte in großen Teilen Europas (u. a. England, Frankreich, Deutschland, Österreich) das Interesse an den Baustilen vor allem des Mittelalters und der frühen Neuzeit.
Durch die schwärmerische Rückbesinnung auf die eigene nationale Vergangenheit kam es im deutschen Kirchenbau zu einer besonders lebhaften Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Baustilen Romanik und Gotik. Die Bauaufgaben der Architekten damaliger Zeit bestanden in zwei Tendenzen: einerseits der Bewahrung und Vollendung mittelalterlichen Bauens, andererseits der neuen Architekturschöpfung.
Als positive Folge dieser Wiederentdeckung mittelalterlicher Kunststile muss das Bestreben um die werkgetreue Vollendung des Kölner Doms und des Ulmer Münsters gesehen werden. Gerade in der Wiederaufnahme der Arbeiten an der unvollendet gebliebenen Kathedrale des rheinischen Erzbistums im Jahre 1848 und mit der Gründung des Kölner Dombauvereins erhielt die gotische Architektur eien vollkommen anderen Bedeutungsgehalt. Die gotische Formensprache wurde besonders in katholischen Kreisen als „die wahre christliche Kunst“ oder der „christliche Stil“ bezeichnet. Dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Gestaltung protestantischer Kirchen.
Unter dem Gesichtspunkt der symbolischen Bedeutung des Lichtes in den christlichen Religionen sprachen die lichtdurchfluteten, hohen neugotischen Kirchenräume die Zeitgenossen mehr an als die massiv und eher schwer wirkenden, neuromanischen Gotteshäuser.
Im heutigen Wolfsburger Stadtgebiet können wir diese Entwicklung in allen möglichen Varianten greifen. So wurde in Hesslingen die St. Annen-Kirche grundlegend im neuromanischen Stil von Friedrich Maria Krahe (*1804; +1888) renoviert. In Ehmen war eine bewahrende Bauerhaltung aussichtslos, so dass hier 1896 die mittelalterlich-romanische St. Ludgeri-Kirche abgetragen und durch einen neugotischen Bau ersetzt wurde. In Nordsteimke hat sich die Gemeinde 1904 für einen Neubau des Kirchenschiffes mit Sakristei im neugotischen Stil entschieden, der vom Helmstedter Kreisbauinspektor Baurat Gaehlert ausgeführt wurde. Das mittelalterliche Turmwerk blieb hingegen erhalten.
Schließlich hatte der politische, gesellschaftliche und technische Wandel des 19. Jahrhunderts, dem Zeitalter der Industrialisierung, Folgen für die Architektur. Dabei ist das rationell-ökonomische Moment eines neuen Kirchenbaus allgemein, und im Speziellen auch in Ehmen, nicht zu übersehen. Mit der maschinellen Herstellung von großen Stückzahlen gleich geformter Backsteine, entdeckte man diese Bautechnik, die einst im Mittelalter besonders in den Hansestädten, der Altmark und in Niedersachsen zum Einsatz kam, wieder neu.
Die Vervollkommnung der baustatischen Berechnungen führte zu vorgefertigten Bauelementen. Der Kirchenraum in Ehmen veranschaulicht in selten deutlicher Weise das Zusammenspiel zwischen gesuchter historischer Form und moderner Ingenieurbauweise. Wendebourg hat zwar die Außenwände und die Einwölbung des Chores sowie die Ausstattung in gotischen Formen gestaltet, den modernerem Empfinden entsprechend weiten Kirchensaal aber mit einem offenen Dachstuhl mit frei sichtbarem Tragwerk überspannt. Er folgt damit den Erwartungen der Kirchengemeinde an einen Architekten. Während im Mittelalter die Entwürfe der Bauarchitektur und die Gestaltung der Innenausstattung in den Händen unterschiedlicher Personen liegen, gehen zu Wendebourgs Zeiten nicht nur die Architektur, sondern auch die oftmals bis heute vorhandenen Ausstattungen, die Altäre, die Kanzel, der Taufstein, die Orgel oder die Glasmalereien, auf den Architekten zurück. Mit der weit tragenden Dachkonstruktion über dem Langhaus löst Wendebourg sich in Ehmen von seinen mittelalterlichen Vorbildern, die hier aus statischen Erwägungen wohl eine, allerdings nicht das ganze Kirchenschiff überspannende, Einwölbung gewählt hätten.
Die Fähigkeit, an historischen Bauten orientierte Neubauten zu erstellen und zugleich moderne Elemente der Neuzeit zu integrieren, hatte Wendebourg in seinem Studium bei Hase gelernt. Über diese Zeit äußerte er später: „Da die Hildesheimer Schule zur Zeit meines Besuchs derselben zum Eintritt in den Staatsdienst für das Hochschulfach noch nicht berechtigte, was weder meinem Vater noch mir bekannt gewesen war (erst später erhielt sie die Berechtigung, jedoch ohne rückwirkende Kraft), so waren mir auch die Staatsexamina verschlossen. Ich unterzog mich darum beim Abgange von der Hochschule dem Diplomexamen, das ich Ende des Jahres 1879 (am 19 .Dezember) bestand.“
In der hannoverschen Studienzeit kam die musische Prägung Wendebourgs immer wieder zum Ausdruck. Er besuchte Konzerte, Vorträge und Theatervorstellungen, um sich geistig fortzubilden.